Mit einem Mal war da ein Aal
Mit Nature Journaling Ängste besänftigen
Es war im Jahr 2023 - es sollte das Jahr werden, in welchem ich mich das erste Mal in die Unterwasserwelt getraut habe.
Neben Korallenriffen, Schildkröten, vielen bunten Groß- und Kleinfischen, Kopffüßern und Knorpelfischen traf ich eine bestimmte Art ebenso immer wieder:
Die Muränen. Uaah!
Die Muränen gehören als Knochenfische zur Familie der Aalartigen, halten sich tagsüber in ihren Verstecken auf und sind bei ausreichend Abstand völlig harmlose Unterwasser-Genossen. Sie sind nahezu blind, verfügen aber über einen ausgeprägten Geruchssinn. Sie gucken dann gerne mit geöffnetem Maul aus ihrem Versteck heraus.
Da hilft allerdings auch kein Arielle schauen, um da nicht vor Schreck den halben Lufttank leer zu süffeln, wenn der Tauchguide dich in einer Höhle an einer 2 Meter langen Muräne lang führt.
Gib Muränen eine Chance!
Zurück an Land durchstöberte ich naturgemäß als Naturejournalerin erstmal alle Einträge zu Muränen in den Büchern der Tauchbasis.
Ich fand heraus, dass es um die 200 Arten weltweit gibt und einige davon sehr spannende Musterungen haben.
Und dass ich definitiv nicht auf ihrer Speisekarte stehe - puh! Nochmal Glück gehabt.
Von den Muränen zu den etwas vertrauteren Aalen
Zurück zuhause fiel mir in der Stadtbibliothek dann zufällig ein Buch in die Hand: Das Evangelium der Aale von Patrik Svensson.
Ha! Das ist doch ein Zeichen, mich meiner Angst vor den Fischen mit der fehlenden Brustflosse zu stellen.
Aale als nahe Verwandte der Muränen sind mir als Mitteleuropäerin deutlich vertrauter - auch, wenn ich im Vergleich zu den Muränen noch nie einen echten Aal gesehen habe.
Gleich am Anfang wurde der Lebenszyklus der Aale beschrieben und es zog mir gelinde gesagt die Latschen aus.
Aale sind faszinierend - das wusste schon Sigmund Freud
Gleich am Anfang des Buches wird das große Geheimnis gelüftet, wie Aale eigentlich leben und vor allem sich fortpflanzen.
Dass sich daran sogar Aristoteles und Sigmund Freud neben vielen anderen Hobby- und Naturwissenschaffenden jahrtausendelang (!) die Zähne an diesen Fragen ausgebissen haben, erstaunte mich doch sehr. Ein dänischer Forscher fand erst Anfang des 20. Jahrhunderts heraus, dass die Aal-Larven in Richtung eines bestimmten Meeresgebiets immer kleiner wurden: der Sargasso-See. Und erst seit wenigen Jahrzehnten weiß man etwas mehr über den Aal.
Europäische Aale (Anguilla anguilla) werden in der Sargasso-See geboren, einem Gebiet auf dem offenem pazifischen Meer etwas östlich von Florida. Als kleine Weidenblattlarven lassen sie sich vom Golfstrom Richtung Europa treiben. Nach mehreren Jahren gelangen sie somit in die Nähe der europäischen Küsten und metamorphisieren durch den Wechsel vom Salzwasser ins Süßwasser das erste Mal zum Glasaal. Sie wandern durch die Binnengewässer und entwickeln sich dabei weiter zum Gelbaal. Wenn sie ein gemütliches Plätzchen gefunden haben, lassen sie sich dort auch gerne mal ein paar Jahrzehnte nieder und futtern sich genügend Fett an. Sie werden dann irgendwann unruhig und metamorphisieren ein weiteres Mal: zum Blankaal. Hierbei nehmen sie eine silbrige Gestalt an, ihre Verdauungsorgane etnwickeln sich zurück und es bilden sich die Geschlechtsorgane - der Aal ist ready für den langen Weg zurück zur Sargasso-See, um sich dort zu paaren und den Zyklus zu beenden. Die Reise geht über mehrere Jahre über 5000-6000 km im offenen Meer und der Aal zerrt von seinen Fettreserven.
Nature Journaling lässt die Faszination bestehen
Wie sieht wohl der typische Aaltag aus? Woher wissen sie, wo sie sich niederlassen können? Wie orientieren sie sich im offenen Meer? Was fressen sie? Warum sind sie so gerne im Schlamm vergraben? Was bewegt sie letztendlich dazu, den langen weiten Weg zurück in ihre Heimat anzutreten? Wie paaren sich Aale?
Es ergeben sich so viele Fragen, die ich an den Aal habe - auch über ein halbes Jahr später.
Meine Angst vor Muränen hat sich dadurch stark gemindert, auch wenn Muränen nicht diesen krassen Lebenszyklus haben wie Aale. Aber es hat mir sehr geholfen, mehr Verständnis und tiefere Verbindung zu einer besonderen Fischart zu entwickeln.
Deswegen: Eine Ode an die Aale und ihre Verwandten.